R-Therapie: 

Ein nicht ganz einfaches Thema.

Der Laut /r/ wird von manchen Kindern hartnäckig durch den Laut /l/ oder durch den Hauchlaut /h/ ersetzt.

Bei einem Dreijährigen kann ich nicht mit der Tür ins Haus fallen, wir beginnen erst einmal damit, in seiner Kindergar-tengruppe rote Gegenstände in einen Korb oder in einen Schachteldeckel zu sammeln und anschließend alle Dinge auf den Tisch zu legen. Dann schauen wir sie uns an und sprechen ein einfaches Satzmuster, da der Junge zweisprachig aufwächst: "Die Schere ist rot, Der Legostein ist rot, der Teller ist rot ..." In der Folge bringe ich dann Gegenstände in einem kleinen Sack mit, die alle mit dem Laut /r/ beginnen: Ritter, Rad, Reifen, Rübe, Rucksack, Ring, Rakete, Rennauto, Reh.

Manche Kinder können den Laut nach kurzer Zeit sprechen und brauchen dann viele Übungen mit R-Wörtern. Dazu verwende ich meine selbstgemalten R-Memory-Bilder und die 22 kleinen, runden Bilder. Oder wir bleiben auf der Gegenstandsebene und nehmen mehrere Biegepuppen und einige Tiere, auf denen die Biegepuppen reiten können: "Der Junge reitet auf der Kuh." ... Des Weiteren spielen wir mit einer Kugel und benutzen das Verb rollen, oder spielen mit einer Rutsche von Playmobil oder schauen ein Ritterbuch an. Es gibt auch ein Arbeitsblatt mit Sätzen, zu denen das Kind dann richtig oder falsch bzw. nicht richtig sagen muss: z.B. "das Pferd hat ein Fell" -  "richtig" . Das Pferd hat 6 Beine." - "nicht richtig".

 

Damit die Übung des Lautes intensiviert wird, habe ich mir kürzlich einige Abrufspiele mit den Farben rot und rosa ausgedacht:

Auf allen 3 Bildern sieht man lediglich die Farben rot und rosa, die wir nacheinander nennen sollen.

Vielleicht kommt das direkte Benennen dem einen oder anderen langweilig vor, aber die Kinder sind gerne bei der Sache.

 

Sie malen eifrig abwechselnd rote oder rosa Striche, oder sie nehmen einen roten Farbstift und malen einen roten Strich, den rosa Strich übernehme dann ich. Das Vorlesen der Reihe kommt erst im 2.Gang, jetzt sind wir mit Malen beschäftigt. Natürlich können wir auch Schals malen, die farblich abgestimmt nur rote und rosa Streifen haben. Übrigens malen auch Jungs bereitwillig diese Farben mit, wenn sie noch im Kindergartenalter sind.

 

Die rosa und roten Felder oben haben wir selber angemalt und ausgeschnitten - sie lassen sich natürlich

in jede beliebige Reihenfolge legen und anschließend benennen. Um nicht durcheinander zu kommen, ist

es sinnvoll, mit dem Zeigefinger auf das jeweilige Farbbild zu zeigen.

 

Das dritte Bild hat natürlich einen besonderen Charme, weil wir Blumen und Tiere ausgestanzt und aufgeklebt haben.

Die Übung mit mehreren Wörtern ist das eine,

manchmal muss ich aber auch zu Einzelwörtern

zurück kehren und eine intensive Übung einbauen,

z.B. indem ich ein Wort - in diesem Fall das Wort

"Ra - be" silbenweise spreche und das passende

Bild dazu male - hier die Flügel.

 

Dass der Körper vom Raben mit einem Fingerstempel

dargestellt wird, ist ein zusätzlicher Spaß, zumal ich

Stempelkissen in Gold, Silber und Bronze geschenkt

bekommen habe.

Im Extremfall kann es nötig werden, dem Kind den Unterschied zwischen dem Sollwort und dem selbst geäußerten Wort zu vermitteln. Dazu benötigte ich kürzlich ein Arbeitsblatt mit Hosen und Rosen.

 

Zunächst musste ich mich vergewissern, dass das Kind den Unterschied zwischen den Wörtern Hose und Rose hört.

Dazu habe ich alle 12 Bilder (auf stärkeres Papier kopiert) ausgedruckt, ausgeschnitten und verdeckt auf einen Stapel gelegt. Dann haben wir an den ersten beiden Bildern geübt: wenn ich das Wort passend zum Bild richtig gesagt habe, nickten wir, wenn ich es falsch gesagt habe, schüttelten wir den Kopf.

Dann ging es los: ich habe ein Bild nach dem anderen gezeigt und benannt - mal richtig und mal falsch. Das Mädchen machte keinen Fehler, es  hörte den Unterschied zwischen den beiden Anlauten also gut heraus. "Nur" die Aussprache des R-Wortes gelingt nicht gut.

Da sie aber ein sehr scheues Kind ist, steht uns dieser zweite Schritt noch bevor. Sie spricht manchmal ein /r/ am Wortanfang, zumeist ist es aber ein /h/. Ob es ihr hilft, dieses Minimalpaar mit den richtigen Anlauten zu sprechen, wird sich zeigen.

In der Artikulationstherapie kann ich meist irgendwann zu dem Laut /r/ im Wort übergehen und diesen kurz und intensiv üben. Dazu habe ich 12 passende Bilder gemalt und setze gerne ein Piratenbuch ein.

 

Schließlich bleiben noch die Konsonantenverbindungen mir -r, die vielfältig vertreten sind. Wir haben:

kr in krank,

gr in Grube,

tr in trommeln,

dr in drei,

br in Brille,

pr in prellen und

schr in Schrank.

Besonders schwierig sind: spr in springen und str in Streifen oder Straße.

Meist wird ganz einfach der Laut /r/ weggelassen: "Lisa ist kank" oder aber es fehlt das /t/ wie in "Schraße"

 

Da die Farben am einfachsten verfügbar sind, male ich gerne nur mit rot, grün, grau und braun ein Bild mit den Kindern. Dann gibt es einen Styroporwürfel, der Aufkleber in den Farben grün, grau und braun hat. Diesen Würfel pusten wir von der Hand und nennen, was oben liegt.

 

Schließlich sind 2 neue Spiele entstanden :

Das Leiterspiel benötigt nur einen präparierten Würfel und je nach Spieleranzahl 2-3 Setzsteine.

Wichtig ist dabei, immer die Farbe des Feldes zu nennen, auf das man trifft. Wie bei einem Leiterspiel üblich, darf man die Leiter "runter rutschen" = wieder zwei R-Wörter.

 

 

 

 

Das zweite Spiel  - siehe unten - ist ein Ratespiel:

Dazu muss das Farbblatt 1x auf dickeres Papier kopiert werden - die Kopiervorlagen sind weiter unten.

Anschließend wird das Blatt in die 4 Farbfelder und diese wiederum in jeweils 10 Farbstreifen geschnitten.

 

Für das eigentliche Spiel nehmen wir nur 2 Farben, da die Ratewahrscheinlichkeit bei 4 Farben zu gering wäre. Ich nehme die Streifen der 2 von uns ausgewählten Farben, z.B. rot und grün so in die Hand, dass niemand die Farben sehen kann. Nun halte ich die Streifen mit der weißen Seite einem Kind hin und bitte zu raten, was es wohl zieht. Es sagt z.B. "das ist rot" Dann zieht es einen Streifen. Hat es einen Streifen mit roter Farbe gezogen, darf es den Streifen bei sich hinlegen, war es falsch geraten, kommt der Streifen in die Mitte. Sind alle Farbstreifen gezogen, wird die Trefferquote bei den Kindern verglichen.

Da das Spiel schnell geht, spielen wir es gleich noch einmal, entweder mit den gleichen Streifen, oder aber wir nehmen die anderen Streifen und haben nun 2 andere Wörter zu sprechen und zu üben, in unserem Fall: braun und grau.

Kopiervorlagen der beiden Spiele siehe weiter unten