Meine kleinen Geschichten   oderLerngeschichten der Erwachsenen

Wir sitzen  am Tisch an der Wand und spielen Schufbähnchen. Das geht so:

Vor uns liegen lauter Scheiben und wir schieben sie als Vorübung mit großem Schwung über den Tisch gegen die Wand. Dabei lautieren wir eins ums andere Mal ein „sch“. Einige Scheiben springen von der Wand zurück, andere fallen durch den schmalen Schlitz hinunter.

Als Erweiterung kommt das Schufbähnchenspiel hinzu, das ich aus meiner Kindheit mit Holzscheiben kenne:

Aus Pappe schneide ich zwei Tore aus, ein größeres und ein kleineres. Dieses Doppeltor stellen wir mit etwas Abstand vor die Wand. Unser Spiel beginnt aufs Neue. Wir sagen „sch“ und schieben eine Scheibe zu den Toren hin. Oft trifft mein kleiner Spielpartner das große Tor, manchmal auch das kleine Tor.

 

Schön zu sehen: durch das eifrige Spiel und die vielen Scheiben, die wir schieben, weicht allmählich seine Verspannung und es gelingen gute „sch“ mit leicht vorgestülpten Lippen.

 

 
      
 

J. ist schon 6 und vom Schulbesuch zurückgestellt. Als extremes Frühchen hat er Vieles im motorischen Bereich aufzuholen. Vor allem die Stifthaltung ist sehr verquer.

Als ich ihn aus der Gruppe hole und frage, was er gerade gemacht hat, zeigt er mir sein Selbstbildnis, das er für seine neue Portfoliomappe gemalt hat. Im Gehen sagt er: „das Strichmännchen ist ganz doof.“ Wie so oft, sieht er seine Unzulänglichkeit und ist mit seinem Werk gar nicht zufrieden. In unserem Therapiezimmer meine ich zu ihm: „Wir sollten dich noch mal irgendwann malen, oder sollen wir es gleich machen?“ „Ja gleich!“   Er sucht sich einen Stift aus meiner Schachtel und ich hole ein Blatt Papier, das ich in der Mitte knicke. Auf der linken Seite beginne ich mit einem Kreis, er malt mir nach. Auge, Nase Mund folgen so, wie er es als Schema kennt. „Was kommt nun?“. Er malt einen Hals - ehe die Striche zu lang werden können, stoppe ich ihn schnell, male bei mir auch einen Hals und einen runden Bauch. Da er nur einen Strichbauch malt, baue ich es zu einer körpergerechten Form aus.

Um zu verhindern, dass wieder ein Strichmännchen entsteht, bespreche ich mit ihm, wie breit seine Beine sind und zeige, dass da ein Strich wirklich zu wenig ist. Wieder male ich vor und er mit etwas Hilfe nach. Auch die Arme werden nun mit 2 Strichen gemalt. Wir ergänzen Hände und Füße. Auf die Frage nach seinen Zehen, zählt er gedanklich durch seine Schuhe hindurch: „Fünf“ und malt entsprechend – allerdings struwelpetermäßig abstehend. Noch Kleinigkeiten fehlen, dann sind wir fertig.

Abschließend weise ich nochmals auf den lachenden Mund hin, den wir beide gemalt haben und frage, ob ihm sein Bild gefällt. Er lächelt  und sagt: „Ja“

 
 

 

 

--> als ich der Erzieherin davon berichte, sagt sie, er sei vorhin so unzufrieden gewesen, da er sein Selbstbildnis in einen kleinen Kasten  auf der ersten Seite der Mappe hat malen sollen, aber es hatte nur sein Kopf mit etwas Hals hineingepasst. Sie ergänzte, das müsse er halt noch lernen.

 

Nun, dafür braucht er sehr viel Unterstützung  oder so viel Verständnis, dass vielleicht sein Bild mit dem Kopierer verkleint und eingeklebt wird.

 

 
 
  

Die Zwillinge haben meine Gummibärchen in der Tasche entdeckt. Schnell kläre ich sie auf: „Wir sprechen heute wieder /s/ mit den Gummibärchen und machen das Bienenspiel. Was sollen wir zuerst machen?“ Wie aus der Pistole geschossen und unisono: „Das Bienenspiel“  - Damit haben sie mich aber verblüfft!  Spricht eindeutig für das Bienenspiel!

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

        
 

Eine Beratungssituation: Wir holen gemeinsam einige Gegenstände aus meinem Diagnostikkoffer und das 4;03 Jahre alte Mädchen weiß die Namen der Gegenstände gut zu benennen. Schnell fällt auf, dass sie neben dem - angekündigten -  fehlenden Laut /r/ auch den Laut /sch/ nicht sprechen kann und durch /s/ ersetzt. Ich biete der Mutter an, mit dem Aufbau des richtigen /sch/ zu beginnen, merke aber schnell, dass der Mutter der Laut /r/ wichtiger ist. Denn:

Das Mädchen hätte kürzlich bei der Frage nach der Farbe grau geantwortet: „hell  schwarz“  -  wie ungemein raffiniert in der evtl. als Falle empfundenen Frage nach /gr/.    Nun werde ich einen Versuch starten, ob das Mädchen den Anbildungsvorschlag über das Raupenbuch und das Fressgeräusch der „Kleinen Raupe Nimmersatt“ mit mir geht, oder ob ich doch erst den gut sichtbaren Laut /sch/ üben soll.

 
 
  

 

Die Diagnostik ist schon so lange her, da A. inzwischen in der Kur war. Konsonantenverbindungen klappen nicht stabil - bloß wo soll ich anfangen?

Das häufigste Problem ist die Lautverbindung tr. Spielen wir also mit meinen selbst gemalten tr-Abbildungen  einfaches Memory: abwechseln drehen wir ein Bild um, sagen was es ist und lassen es liegen. Wer das 2.Bild aufdeckt, darf beide nehmen. Oh ja, da stoße ich gleich in ein Wespennest: ich höre kein r ! Gutes Vorbild bringt wenig. Bringen wir das Spiel halt zuende, und dann trenne ich beide Konsonanten auf: Zuerst fällt der Stift aufs Blatt Papier und  ich lautiere / t /, dann macht er eine Kreisbewegung und ich schließe  -rommel an. Es entsteht das Bild der Trommel und die  Malbewegung unterstützt die Trennung der beiden Konsonanten.

Vereinfacht lässt sich die Bewegung auf andere Tr-Wörter übertragen: kurze Abwärtbewegung für das T

Und Vörwärtschieben der Hand auf dem Tisch mit dem Wortrest. Das probieren wir das nächste Mal !

 

Wieder einmal ein neues Problem: bei allem was ich sage, gibt Lars seinen Kommentar ab. Es ist erfreulich, ein redseliges Kind mit großem Wortschatz zu erleben.

Aber wenn wir den Laut /k/ üben, möchte ich nicht hören: "ein Tamm, damit habe ich mir destern die Haare detämmt", sondern ich möchte einmal, dass er sich auf das Wort konzentriert, die ausführlich geübte Zungenstellung beim K richtig macht und bei der Artikulation ist und nicht beim Wortinhalt. Etliche Hörübungen haben wir schon hinter uns, z.B. die Zuordnung zu Keller oder Teller, seine Aufträge, wohin ich die Dinge legen soll: zur Kasse oder Tasse. Meine Aufträge für ihn ...

Kürzlich schauten wir uns jeweils Bilder an und überlegten, was sich anhört wie das Ausgangswort:Was hört sich am Anfang an wie Kamm, der Bär oder die Kuh? Lars Antwort: "Die Tuh- und von der kriegen wir die Milch."

 

       Meine schriftliche  

       Poltersymptomatik: ich will

       Blatt Papier schreiben und

       schreibe: Blapp   -  bis die

       innere Korrektur es merkt.

 
 
   

Marie wurde letzte Woche 4 Jahre alt, Max wird erst in 6 Wochen 4 . Beide benutzen den Laut /sch/ noch nicht. Vielleicht klappt ja der Laut bei einzelnen Worten schon, wenn ich ihnen das Vorstülpen der Lippen zeige. Wir holen viele Gegenstände aus meinem Sack, ich sage möglichst oft ein demonstrativ langes SCh-Wort, sie bleiben bei ihrem /s/.

Nun muss ich also doch den Laut an sich mit ihnen deutlich erarbeiten, auch wenn sie noch kaum 4 sind. So bringe ich eine Rutsche von Playmobil mit und 5 kleine Männchen, die herunter rutschen dürfen. Eifrig geht jedes Männchen die Rutsche hoch mit tap tap tap und rutscht mit langem sch herunter  -  bei mir !

Die Kinder spielen, aber sagen nichts dazu, weil das Spiel zu wichtig ist. Dann übernehme ich wieder die Regie und lasse ein Männchen rutschen mit der Bitte, dass sie mit mir zusammen das gedehnte /sch / sprechen. Wieder merke ich, dass ich allein rede!  Deshalb muss ich jetzt ganz deutlich werden: „Da ihr bei den Männchen nicht mitgesprochen habt, sagen wir es für jedes Männchen einmal: es sind 5 Männchen und wir sagen 5 x „sch“. Also los!“ Gemeinsam mit mir sprechen beide 5x ein lang gezogenes supergutes /sch/. Als Hilfe strecke ich jedes Mal einen Finger aus meiner Faust und sie merken selbst, wann die kleine Aufgabe bewältigt ist.

 --> manchmal klappt eine kurze Übung nach dem Spiel einfach besser !

 
  

Gerade haben sich die Kinder angezogen und sind auf den Kindergartenspielplatz rausgeströmt. Da habe ich kaum Chancen, H. wieder ins Haus zu bekommen, um mit ihm das –sch am Wortende zu festigen. Ich weiß, er kann es gut, braucht aber noch die Festigungsphase. Am besten nehme ich Blatt und Stift mit hinaus. Bereitwillig geht er mit mir zum Tisch, der vom letzten Regen nur noch ein kleines bisschen feucht ist. Ich zeige ihm mein Bild und nenne ihm den Abzählvers: „Pitsch, patsch, patsch, durch Regen und durch Matsch“

 Am Ende des Abzählverses malt er die Pfütze blau. Natürlich sind die anderen Kinder längst neugierig geworden, schauen zu und sprechen auch mit. Da sich H. nicht aus der Ruhe bringen lässt, sind sie gerne gesehene Gäste. H. mag keine Aufgaben mit nach Hause nehmen, daher spricht er den Vers so oft, bis auch jede Pfütze angemalt ist: bei 25 Pfützen und 4 Sch-Wörtern pro Satz spricht er 100x ein /sch/ am Wortende!

 

bei 23 Pfützen: 4x23 =92 x

 
 
   
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der HNO-Arzt hat sein Problem gelöst, jetzt sind wir dran: Nach der Mandeloperation stellt sich ein starkes Näseln ein.

Da kommt die Weihnachtszeit und der Sternausstanzer gerade richtig, brauche ich nur noch pinke Glitzerfolie und das Sternenausstanzvergnügen kann beginnen. Mit allen 43 Sternen legen wir Wege und laufen diese mit „tap“ entlang!

 
    
 

Das K ist ein sehr schwer zu erlernender Laut. Mit knapp 4 Jahren kann Max kl sprechen, aber jeder Versuch mit ka misslingt. Also ziehe ich mich auf kl zurück und greife einen Babyvers auf. Eigentlich wage ich es kaum, mache den Vers dann aber doch bei Max und anschließend bei seinem Mitstreiter Ulf. Wie erwartet wenig Reaktion. Darauf hole ich den Pandabären von der Fensterbank und plaziere ihn so, dass beide Jungen einen Pandaarm vor sich haben und den Vers sprechen können:

„Komme ein Floh den Berg hinauf, klingeling, klopf-klopf – guten Tag

Herr Nasenmann.“ Sie machen mit, aber ich spreche weitgehend allein.

Vorsichtig frage ich, ob ich noch ein Tier holen soll! „Au ja“  -  der Bann ist gebrochen und beide rennen begeistert mit mir und holen weitere Tiere. Sie sprechen auch immer mehr vom Vers mit und lassen sich auch nicht beirren, als die Schildkröte keine Ohren zum Klingeln hat .

Das kl ist übrigens richtig, auch bei Ulf ist es immer besser zu hören.

 
 

Die Erzieherin singt mit den Kindern: „Klein Häschen wollt spazieren gehen...“

So doll machen die Kinder nicht gerade mit, vielleicht können sie sich unter dem Text nicht so viel vorstellen, obwohl die Erz. einige Gesten zum Lied anbietet. Ein 3j. Mädchen ist völlig davon eingenommen, mit den kleinen Fingerchen die Geste vom Hasen mit den aufgestellten Ohren nachzumachen. Nach Liedende gehe ich zu ihr und helfe ihr dabei, nur Zeige- und Mittelfinger zu heben.

Schließlich gelingt es.

--> Wieviel mehr als nur das einmalige Absingen der Strophen brauchen die Kleinen das ausführliche Üben der Gestik, Bildmaterial zur Vorstellung von Bächlein und Wasserrad und langsames Textüben.....