Ganz junge Wortschatzsammler 

 

Zunächst brauchen wir eine interessante Schatztruhe.

 

Dann brauchen wir Gegenstände mit leicht zu sprechenden Namen.

Am besten sollten die Gegenstände aus dem Erfahrungsbereich des Kindes kommen.

Auch sollten die Namen der Gegenstände kurz und

leicht zu sprechen sein.

 

Mit den Gegenständen können wir gemeinsam mit dem Kind hantieren und dabei immer wieder ihre Namen sagen.

 

Manche Namen prägen sich beim Aufbau des Wortschatzes fast von selbst und ganz schnell ein - weil sie besonders wichtig sind:

  • Wenn der Opa oft mit dem Kind spielt, wird das leichte Wort "Opa" schnell im Wortschatz auftauchen,
  • wenn die Mutter oft sagt: "Hier ist deine Nina" und dem Kind die Puppe reicht, wird auch "Nina" vermutlich früh gesprochen,
  • wenn das Kind schon ganz viel das Auto schiebt und begeistert dabei lacht, wird das Wort "Auto" geläufig,
  • wenn der Papa immer zum Spaziergang seinen Hut aufsetzt, ist auch das Wort "Hut" schnell vertraut,
  • wenn das Kind jeden Tag mit dem Bus fährt oder vom Fenster aus den vorbeifahrenden Bus beobachtet, muss die Mutter ihm nur häufig das Wort "Bus " anbieten, dann wird es meist auch schnell gesprochen
  • wenn gemeinsam die Enten auf dem See gerufen werden, gelingt dieses Wort bald.

 

Die Schatztruhe wird erst dann wichtig, wenn das Kind nicht von sich aus ständig neue Wörter aus der Wortumgebung aufgreift, sondern wenn man ihm einfache Wörter näher bringen muss, weil der Sprachaufbau nicht so recht von alleine voran geht. 


 

Dann kann es sinnvoll sein, wenige Gegenstände in der Schatztruhe zu sammeln und sie jeden Tag wieder zu öffnen.

Die Gegenstände können beim Herausnehmen gleich genannt werden, sie können alle an Nina, die Puppe oder einen anderen Gesellen aus der Schmusefamilie des Kindes verschenkt werden, sie können alle in einen Korb wandern und mit nach draußen genommen werden, sie können vom Kran auf den Laster geladen werden ... sie werden "bespielt" - benutzt und dabei immer wieder mit Namen genannt.

 

Wenn sich der Wortschatz nicht von alleine aufbaut, müssen wir unser Augenmerk darauf richten und das Kind beim Wortschatzaufbau unterstützen.

Die Schatztruhe kann uns dabei helfen, die neuen Wörter als etwas Besonderes hervorzuheben, und sie kann uns dabei helfen, die Wörter häufiger zu nennen.

Denn durch das häufige Nennen prägt sich das Kind den Namen eines Gegenstandes besser ein.

 

Ein Mädchen mit einem noch sehr geringen Wortschatz konnte bis 16 zählen. Die Mutter erzählte mir, dass sie dies ganz oft üben würden. Nun bat ich sie, die Namen von Obst und Gemüse ähnlich oft zu üben, da das Kind weder Apfel und Birne noch die übrigen Lebensmittel beim Einkaufspiel und beim Anschauen der "kleinen Raupe Nimmersatt" (Bilderbuch von Eric Carle) benennen konnte.

 

Manchmal habe ich das Glück, einzelne Worte im Spielablauf häufig wiederholen zu können, z.B. wenn wir am Gabelstapler die Gabel immer wieder "hoch" und "runter" kurbeln. Wenigstens eines der beiden Wörter war im Wortschatz eines Jungen schnell verankert: "hoch". Nun versuchen die Eltern ihm das Wort "runter" beim Abwärtsgehen der Treppe beizubringen. Bei einer Treppe mit 12 Stufen kann es schnell gelingen ...                                               v. Th.Hiller

 

Ein Erlebnis mit der Schatzkiste

 

Wieder bringe ich die Schatzkiste, wie sie oben abgebildet ist, mit. Der Dreijährige entdeckt sie und holt sie auf den Fußboden. Gemeinsam öffnen wir den Deckel und holen alle Gegenstände heraus. Dabei benennen wir alle Gegenstände. Diesmal ist ein Schneckenhaus neu dabei - und "Haus" kann der Junge schon sagen! Er spricht die Wörter mit, oft höre ich eine Silbe von ihm, die dem Wort ähnelt.

Anschließend werden die Dinge mit dem Kipplaster zum Deckel transportiert. Wieder hört das Kind die Namen aller Gegenstände und spielt gleichzeitig mit ihnen.

Daheim hat er eine eigene Schatzkiste, die er vielleicht beim nächsten Mal mitbringt!