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Wie man die Bremer Stadtmusikanten auch spielen kann:

(d.h. Sprachvorbild sein im Spiel mit einem noch nicht sprechenden Dreijährigen)

 

Leon entdeckt die drei miteinander verbundenen Holzwände

auf dem kleinen Tisch, holt sie sich auf den Fußboden und

untersucht sie: er klappt die Tür auf und zu.

Gemeinsam stellen wir die Wände auf. Nun kann er die Tür

besser bewegen, ich biete ihm sprachlich an „auf“ und „zu“.

 

Schnell hole ich mir den Hahn vom Tisch und lasse ihn über

den Boden laufen: „Kikeriki, machst du die Tür auf?“ 

Leon öffnet die Tür, der Hahn läuft hindurch und dreht sich um:

„Machst du die Tür zu?!“ Leon tut es sofort! Ich füge hinzu:

„Der Hahn läuft weg.“

 

Gleich darauf kommt der Hund bellend angelaufen: „Wau, wau, machst du die Tür auf?“ Leon öffnet wieder die Tür, der Hund läuft hindurch, bedankt sich und bittet: „Machst du die Tür zu?“ Gleich macht Leon die Tür zu. „Der Hund läuft weg.“                                 

 

„Iah, iah“ - als der Esel kommt, hat Leon die Tür bereits geöffnet, deshalb sagt der Esel: „Die Tür ist auf, danke!"  –  Der Esel läuft weg,  "iah,  iah,  iah.“

 

Schließlich kommt die Katze:  „miau“ sie läuft näher, und schnell öffnet Leon die Tür: “Die Tür ist auf  –  danke“  Und die Katze läuft durch die Tür zu den anderen Tieren: „Hallo Hahn, hallo Hund, hallo Esel!“   Leon hat natürlich bereits die Tür hinter der Katze wieder geschlossen!

 

Aber ich spiele weiter, da ich mir der Aufmerksamkeit von Leon noch sicher bin: „Die Tiere kommen zum Haus: Der Hahn kommt, kikeriki  -  der Hund kommt, wau wau  -   der Esel kommt, ia ia ia -  die Katze kommt, miau.“ Nacheinander kommen alle Tiere wieder und ich kann dies mit gleichbleibendem Satzmuster sprachlich begleiten. Ich schließe unser kleines Spiel mit den Worten:

„Alle kommen ins Haus und schlafen.“

 

Aus der Ferne haben Leons Eltern zugeschaut.

Leon hat außer den Tierlauten im Ansatz nichts gesagt – er kann es auch nicht, da sein Wortschatz mit 3 Jahren und 2 Monaten keine 30 Wörter umfasst: Mama, Papa, Oma, Opa, oh = hoch, da, Opi, pipi, Teddy, Auto, Ei, Eier, ja, aua, mein, ne = Schnee, du = zu, i = ich, do = so, eine, einer, odi = Oli, heuer = Feuer, wau-wau, brum-brum  und als Zweiwort - Kombinationen:   Mama pipi,   da aua = Messer

Leon und ich haben trotzdem ein gemeinsames Spiel zustande gebracht, er hat einige einfache Sätze von mir gehört – vielleicht bleibt das eine oder andere Wort hängen, da er im Moment 1 – 2 Worte täglich hinzu lernt.

Ich hatte während der letzten 45 Minuten versucht, den Eltern zu erklären, dass Leon mit seinem sehr begrenzten Wortschatz  einfache Sätze mit einfachen Wörtern hören muss. Nun hatte ich das Glück, es ihnen am Ende mit den Bremer Stadtmusikanten eindrücklich demonstrieren zu können.

Was allerdings Leon von meinen Worten behält und evtl. in seinen

Wortschatz aktiv aufnimmt, hängt auch davon ab, ob die Eltern dieses einfache Spiel aufgreifen und zuhause in ähnlicher Form wieder spielen.

 

Sollten Leon diese oder ähnlich einfach zu sprechende kurze

Wörter wiederholt angeboten werden, so hat er die Chance, seine langsame Sprachentwicklung zu beschleunigen. Die Eltern haben die zentrale Aufgabe, Leon bei seinem Sprachaufbau zu unterstützen, mit ihm über all das zu reden, was Leon interessiert und seine Aufmerksamkeit fesselt. Wenn die Eltern sprachlich einfach begleiten, was sie gemeinsam tun, spricht Leon evtl. das eine oder andere Wort nach oder nennt es von sich aus situationspassend, da er gerne mit seinen Eltern reden und zeigen möchte, was er selbst schon sprechen kann.

 

Sowohl das Schicksal der alt werdenden Tiere beim Märchen der Bremer Stadtmusikanten, als auch ihr Trick, die Räuber aus dem Haus im Wald zu vertreiben, bleiben unerwähnt, da diese Ereignisse für Leon noch unverständlich wären. Allenfalls könnte man ergänzen, dass die Tiere im Haus wohnen bleiben.       

   Theda Hiller            

Und nach 2 Jahren:

Leon 2    -   Wir haben Besuch

 

Seit Beginn seiner Kindergartenzeit kam Leon regelmäßig alle 14 Tage zu mir. Anfangs beschränkte sich sein Wortschatz auf folgende Worte: Mama, Papa, Oma, Opa, oh=hoch, da, pipi, ja, Teddy, Auto, Ei, Eier, nein, aua, meine, ne=Schnee, du=zu, i=ich, do=so, wauwau, bum-bum. 

 

Er besuchte mich gerne mit seiner Mutter und spielte besonders ausdauernd mit dem Kaufladen. Seine Mutter kam bei ihm einkaufen, und ich konnte bei ihrem vertrauten kleinen Wechselgespräch seine (wenigen) Wortäußerungen hören und seine Gestik beobachten. Erst allmählich wurde auch ich als Einkäuferin zugelassen.

 

Ein besonderes Vergnügen bereiteten Mutter und Sohn daheim, gemeinsam Bilderbücher zu betrachten. Leon bekam zu den anschaulichen Bildern Wörter genannt, die er teilweise in seinen Wortschatz übernahm: er sprach zunächst erst ganz kurze, lautlich einfache Wörter: „euo“ (Euro), usw. wesentlich später auch dreisilbige Wörter („oterhase“ = Osterhase, „dilddöte“ = Schildkröte).

 

Leons Wortschatz wuchs nur langsam, er kombinierte 2 Worte miteinander und reihte schließlich mehrere Worte  - der Wichtigkeit nach – aneinander: „ne Dotten an“ ( = ich habe heute keine Socken an ! ) oder „jetz i don sertid“ ( = jetzt bin ich schon fertig).

 

Bei den Spielen musste ich seinen Interessen folgen. Er war noch nicht bereit, gezieltere Spiele von mir zum Aufbau von Grammatik und zur Lautbildung anzunehmen. Daher bot ich ihm bei seinen Spielen mit dem Kaufladen, den Bauernhoftieren, den Autos usw. neue Wörter an, griff aber auch seine Äußerungen auf und formulierte daraus kleine Phrasen und kurze grammatisch richtige Sätze. Ähnlich übernahm es seine Mutter für ihre vielen gemeinsamen, alltäglichen Gespräche daheim.

 

Auf Einzelwörter und kurze grammatisch richtige Phrasen von Leon folgten kleine grammatisch korrekte Sätze. Nun konnten wir Leon im Gespräch auch Erweiterungen seiner eigenen Sätze anbieten, die ihn zur Verbesserung von Wortschatz und Grammatik anregen sollten.

 

Nach  1 ½  Jahren bot sich uns die Gelegenheit für einen wöchentlichen Termin mit einem weiteren Jungen zusammen. Gemeinsam stellten sich beide Buben bereitwilliger meinen kleinen Spielen zur Lautkorrektur. Aber wieder ging es nur über den sehr spielerischen Weg. Zum Beispiel holte ich zur Anbildung des Lautes / k / über  die Lautverbindung / kl / eines der Stofftiere von der Fensterbank und spielte folgenden Vers vor:

„Kommt `ne Maus den Berg hinauf, klingeling, klopf, klopf, guten Tag Herr Bärenmann.“

Dabei liefen meine Finger am Arm vom Stoffbären hinauf, zupften am Ohrläppchen, klopften an die Wange und tippten an die Nase. Nacheinander kamen Igel, Schaf, Panda, Papagei, Tiger und Schildkröte dran, und der Vers gelang von Tier zu Tier besser – mit viel Begeisterung bei beiden Jungen!

 

Einige Wochen später brachte Leon ein Stoffmeerschwein zu Besuch mit. Da wir mit der Anbildung des Lautes / r / begonnen hatten, gab ich ihm spontan den Namen „Rudi“ und versteckte Rudi mehrfach. Natürlich durften auch die Buben Rudi verstecken: auf..., in..., unter..., zwischen  ( --> unten Fotos von Rudi). Noch zweimal war Rudi zu Besuch und verschönerte und vereinfachte unsere Lautspiele.

 

Zum Abschluss unserer gemeinsamen zweijährigen Zeit erzählte mir Leon von schwarzen Löchern und der Entstehung der Erde: „Dann sind die docks (Quarks) tommen, ja dann mutte dat not teitlang abtühlen, das hat noch dei Millionen (Jahre) dauert und dann sind die terne (Sterne) tommen.“

Mit kleiner Übersetzungshilfe der Mutter verstand ich ihn.

In Zukunft wird er in einer kleinen Sprachfördergruppe ohne Mutter weiter gefördert  -  aber er hat bereits einen langen sprachlichen Entwicklungsweg mit mir zusammen zurückgelegt.

Theda Hiller, Sprachheillehrerin

 

   

 

Erzähle,  wo  Rudi  überall sitzt  oder was er macht !                               Fotos:  Th. Hiller

 

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