Puzzle      -      mit Sprache !          v. Th. Hiller

 

In den Kindergärten beobachte ich, dass sich einige Kinder gerne im Freispiel ein Puzzle nach dem anderen holen. Sie sitzen alleine am Tisch und entwickeln eine enorme Fertigkeit, ihre Puzzle zu legen.     -     Wie gehen sie dabei vor?

Aufgrund ihres optischen Gedächtnisses wissen sie schnell: Der kleine Junge sitzt   in der Sandkiste, das Mädchen sitzt auf dem Dreirad und fährt um die Sandkiste herum, der große Junge rutscht...

 

Halt - sprechen die Kinder tatsächlich in Gedanken diese Sachverhalte aus?

Ich weiß es nicht, vermute aber eher:  nein!

Gerne setze ich mich kurzzeitig dazu und puzzele mit - ich mache mir ihre Freude am Puzzle zunutze und biete ihnen Sprache an: "Oh, der Dino ist aber groß, der hat einen ganz langen Hals - und der grüne Dino ist klein, der hat kurze Beine."  (--> Die Sätze enthalten gleich fünf Adjektive! )

Mit meinen Worten will ich die Kinder auf den Inhalt ihres Puzzles lenken - weg von der Frage, ob das Puzzleteil aufgrund seiner Form an diese Stelle passt und hin zur inhaltlichen Anordnung - weg von der Formanpassung und hin zur Bildbetrachtung.

 

Dazu einige Beobachtungen:

  • Ein- bis Zweijährige können schon gut einzelne Tiere oder Dinge in ein bestehendes Puzzlebild oder an ihren Platz auf dem Puzzlekarton einfügen. --> wir benennen sie  (Substantive).

 

  • Einige Kinder halten Puzzleteile verkehrt herum in der Hand, da sie gar nicht auf das Bild achten. Dann sage ich schon mal: "Oh, der Junge steht ja auf dem Kopf, den drehen wir erst einmal um", und weiter: "Schau, der Junge fährt Roller und das Mädchen schaukelt ..."   --> wir nennen die Tätigkeiten  (Verben).                                                                                                                                                                     (Foto siehe oben: Das Lieblingspuzzle  meines damals 1jähr. Sohnes stammt  v. Dick Bruna, Verlag Ravensburger.)

  • Ein Junge fragt mich bei dem Baustellenpuzzle - seinem Lieblingsthema - ständig:"Wo kommt das hin?" Ich zeige ihm nicht den richtigen Platz, sondern antworte ihm verbal: "Neben den Laster, neben den Kran oder auf den Anhänger..."    --> Ortsbezeichnungen   (Präpo-sitionen mit Akkusativ).

 

  • Zu Anfang betrachte ich gern das komplette Bild:    "Ich sehe 2 Katzen, schau, auf der Wiese und auf dem Dach",  oder wir fragen uns gegenseitig: "Wo ist das kleine Schwein" o.ä. ->(Wir sprechen Präpositionen mit Dativ.)  -  Dies geht aber nur kurzzeitig, da die Kinder ja puzzeln wollen, kann aber am Schluss gut fortgesetzt werden!       Puzzle v. W.Metzger, Bookmark Verlag                                           

        Ein verkleinertes Bild oben in der Ecke aus einem Katalog hilft wunderbar bei der Orientierung.

 

  • Um sprachlich ungeübte Kinder zu überraschen, lasse ich am Ende der Puzzelei schnell ein Puzzleteil verschwinden und frage:"was fehlt?" Evtl. streichen unsere Hände auch über das fertige Puzzle, finden das Loch, wir schauen hin und überlegen, was dort fehlt.

 

  • Da die heutigen Puzzle überwiegend entlang der Gegenstände ausgestanzt werden, bietet sich auch an, Puzzleteile in einen Sack zu stecken, einzeln herauszuholen und zu betrachten. Vielleicht lässt sich zu dem jeweiligen Bild auch eine kleine Geschichte erzählen.

 

Somit fördern wir nicht nur Wortschatz und Grammatik sondern auch das Sprachgeschick!