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Wie 4 - 5 Jährige mit Mengen umgehen (können)  - Erfahrungen aus der Ambulanz         

  v. Theda Hiller

 

Die Sprachtherapie in der Ambulanz konzentriert sich zwar auf den Aspekt der Sprachförderung, fördert aber nebenher auch zahlreiche andere Bereiche in der Entwicklung von Kindergarten- kindern: das Denken, die Stifthaltung und eben mathematische Grundvorstellungen:

 

Hierzu einige Beispiele, die ich an einem Ambulanzvormittag erleben durfte:

  • Wir wollen Domino spielen und ich fordere beide Kinder auf: "Nimmst du dir bitte 5 Bilder vom Tisch", bei einem Kind muss ich beim Zählen helfen, das andere kann es selbständig  ...
  • Vom Kindergarten leihe ich mir einen Puppenschrank aus, da wir den Dativ "dem" mit Lippenschluss üben wollen: in dem Schrank, auf dem Schrank... dazu habe ich etliche kleine Werkzeuge von Playmobil mitgebracht. Aber als wir den Schrank öffnen, liegt bereits etwas darin: ein Kleid und 4 Bauklötze. Die werden sofort aufgetürmt und gezählt: "das sind 3, jetzt 4".
  • Da ich vergaß, den Schrank wegzuräumen, öffnen die nächsten 3 Kinder sofort den Schrank und verteilen die Bauklötze. "Du bekommst einen und du und du, und der letzte ist für Frau Hiller." Mein Kommentar:"Oh, es hat gereicht, jeder bekommt einen."
  • Ein anderes Mädchen muss mir anhand der Bauklötze sogleich demonstrieren, was es schon alles kann: "Du kriegst 2 und ich krieg 2." Beim Zusammenschieben zählen wir die Klötze ab: "4". Darauf meint sie: "4 und 4 sind 8" und zeigt mir 4 Finger von jeder Hand. Als wir nachzählen sind es 8 Finger!
  • Wir haben Präpositionen mit einem Puppentisch geübt: nun soll dazu ein Bild entstehen, das der Junge mit nach Hause nehmen kann: Wie viele Beine hat eigentlich der Tisch?
  • Wir haben meine runden Sch-Bilder ausgelegt und sprechen den Abzählvers: "schum, schum, schum, dreh dich um." Zunächst übe ich mit jedem der 3 Kinder einzeln den Vers und führe beim Sprechen jeden Zeigefinger, um zu garantieren, dass er silbenweise mit dem Vers auf ein Bild zeigt. Klappt diese 1:1 Zuordnung gut, können sie zu dritt an verschiedenen Stellen beginnen, zeigen und gemeinsam sprechen.                                                                                                        Aber wir sind mit den mathematischen Erfahrungen noch nicht fertig:  
  • Die offen liegenden Bilder können wir immer dann paarweise zur Seite legen, wenn das Bild zum 2.Mal aufgedeckt wird. Unweigerlich kommt abschließend die Frage: "Wer hat mehr?" Die Kinder legen ihre Haufen nebeneinander und messen die Höhe: Wie immer behauptet Andreas: "Mein Turm ist aber höher!" Oft lässt sich dies klären, aber nicht immer! Natürlich lassen sich die Kinder nicht nehmen, mir zu sagen: "Dein Turm ist aber der kleinste!!!"
  • Zur Streitschlichtung ist mein Vorschlag meist willkommen: Jeder legt mit seinen Bildern einen Turm: Die 2 Schiffe kommen unten hin, darüber (oberhalb) liegen dann die 2 Schilder, darüber die 2 Schaufeln, die 2 Scheiben, die 2 Scheunen und letztendlich die 2 Schokoladentafeln. Liegen die 2 Türme nebeneinander auf dem Tisch, kann man die Höhe vergleichen, wenn die Stockwerke der Türme sauber nebeneinander gebaut wurden.       
  • Ein andere knapp 5jähriger Junge muss die Zahlenreihe noch üben: Nach unserem Spiel zählt er die auf den Laster aufgeladenen K-Steine (-bilder) schön eines nach dem anderen ab und sagt: "Ich hab aber 8, da  -  1 2 3 5 6 8 !" Da die beiden fitteren Mädchen nicht mitzählen, lasse ich ihn diesmal gewähren – mit 4 Jahren muss man auch noch nicht sicher bis 8 zählen, oder?
  • Wir schauen ein ereignisreiches Bilderbuch vom Bauernhof an. Das gerade 5jährige Mädchen, das ich erst kürzlich kennen gelernt habe, ist noch sehr damit beschäftigt, Dinge zu benennen, statt Zusammenhänge zu begreifen und zu versprachlichen: "Da is ein ros (Frosch) und mäh, viele: 1 2 3 4 5 6 7 - 7 Safen. Da, zei Hund." Sie schwimmt sprachlich u.a. beim Plural noch völlig, zählt aber immer richtig ab!
  • Ein fünfjähriges Mädchen zählt leise 11 Fische ab!

 

Kürzlich passierte eine weitere, kleine Geschichte, die mich verblüffte:

Wir haben Schildkröten mit dem Dreierwürfel erwürfelt - unvermeidbar die Frage: "Wer hat mehr?" Daraufhin legen beide Kinder alle Schildkröten in eine Reihe und zählen. Anna hat 11, Lena hat 9, ich gebe ihr 2 von mir und sie hat auch 11.  Ach, zählen wir vorsichtshalber nochmals beide Reihen. Es sind jeweils 11 Schildkröten. Auf meine Frage: "Wer hat 11 Schildkröten", rufen beide strahlend: "ich".  Nun zählt Anna vorsichtshalber nochmals. Sie ist bei 8, da fallen ihr die restlichen Schildkröten vom Tisch. Darauf meint Lena: "Hast du 3 gefunden? Gut, dann hast du 11!" - Anna holt sie hoch, und beide zählen weiter: "9, 10, 11" - "Hab ich doch gesagt!" kommt von Lena. 

Ich bin beeindruckt, das hatte ich den Fünfjährigen überhaupt nicht zugetraut, dass sie die angefangene Zahlenreihe noch im Kopf haben und das eine Mädchen eine genaue Vorstellung davon hatte, wieviele Schildkröten von 8 bis 11 fehlen! An dieser Ergänzungsaufgabe beißt sich manch ein Lehrer in der ersten Klasse die Zähne aus.

 

Auch 2012 setzen sich die netten Erlebnisse fort:

  • Die Kinder holen Gegenstände aus dem Sack und hören von mir die Frage: Wem gibst Du den Schirm, dem Panda oder dem Frosch? Die Kinder antworten mit einem Dativ und sagen: "dem Frosch". Zwischendurch zählen sie schon mal, wieviele Gegenstände bei den Tieren liegen, dabei zählt Tom und zeigt gleichzeitig seine Finger: "9 , der Frosch hat nur 7, dann hat der Panda mehr!" Am Ende zählen beide: Tom zählt leise und nimmt als Stütze seine Fingern, Hati zählt laut:"...6, 7, 8 - was kommt nach 8?" Ich antworte:"9" sie zählt weiter: "9, 10, 11, 12, 13. Der Frosch hat 13." Sie hat mich tatsächlich nach dem Nachfolger von 8 gefragt und konnte dann wieder nahtlos weiterzählen! Tom meint, dass der Panda auch 13 Dinge vor sich liegen habe. Als wir nachzählen, merke ich, dass Toms Fingerhilfssystem nicht sehr stabil ist: es sind nur 11 Gegenstände. Nun, er ist noch 4 Jahre alt und muss eigentlich noch nicht ...
  • Meine Zwillinge (sie werden im März 5 J. alt) können erstaunlich gut zählen, aber erst, wenn ich sie ermahne, langsam zu zählen. Dann klappt die 1:1 Zuordnung.
  • Im April sind beide einen deutlichen Schritt weiter: Wir kneten, dabei entsteht auch ein Würfel. Ich ritze darauf die Würfelaugen und rede dabei laut:"eins  -  zwei". Meint der eine:"danach kommt 3". Es geht weiter:"vier  -  fünf", wieder bekomme ich Hilfe:" sechs".  Darauf meint der schwächere Bruder "nein 10".   "Doch sechs".  Der Bruder lenkt ein: "sechs!"  D.h. sie sind sich der Nachfolger- position durchaus bewusst!

 

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